Donnerstag, 26. März 2026

Spielbericht aus dem Großen nordischen Krieg "Pass Clearance" (Programmed Wargames Scenarios)

 

                      Spielbericht:  "Pass Clearance" im Großen Nordischen Krieg (GNW)


Immer eine gute Wahl für ein Solo-Spiel zwischendurch, ist das grandiose Buch Programmed Wargames Scenarios von Charles S. Grant.

In diesem Szenario muss eine Vorhut der Angreifer einen Pass zwischen zwei Hügelketten freikämpfen, damit die nachfolgende Armee ungehindert durchmarschieren kann. Die Nachhut der Verteidiger muss natürlich genau dies verhindern.


Gespielt wurde das Szenario mit dem Regelwerk: Field of Glory: Renaissance
Maßstab: 15mm 


Gerade für das Solo-Spiel ist es toll, dass man entweder eine oder sogar beide Seiten "programmiert" spielen kann, d.h. das Szenario gibt vor bzw. es wird ausgewürfelt, welche Strategie beide Armeen verfolgen. Die taktischen Entscheidungen trifft dann der Spieler innerhalb der vorgegebenen Strategie für das Szenario.



Auch die Art der Aufstellung und die Zusammensetzung der beteiligten Armeen wird zufällig ermittelt. So ist kein Spiel wie das andere.



In diesem Szenario gibt es ein Tal entlang der beiden langen Spielfeldkanten. Ich habe meine Spielfeldmatte auf beiden Seiten mit untergelegten Büchern u.ä. höher gemacht, was man hier auf dem Foto leider nicht so gut erkennen kann.



Auf diesem Foto sieht man die Krümmung des Geländes etwas besser.

Die Schweden kommen von unten und müssen durch die verteidigenden Russen (oben) durchbrechen.
Die Befehle besagten, dass der Angriff auf der linken Seite des Hanges erfolgen soll, während der rechte Hang nur mit leichter Reiterei gesichert werden soll.



Die russischen Befehle sahen vor, dass der Talboden und die Flanke mit dem Sumpf (oben) nur gehalten werden soll, während auf der (unteren) linken Flanke örtlich begrenzte Angriffe erlaubt wurden.



Auf ihrer rechten Flanke schicken die Schweden leichte Reiterei der verbündeten Kosaken vor.



Befehlsgemäß entwickeln sich die Schweden am Stärksten auf der linken Flanke. Hierzu muss noch erwähnt werden, dass der ausgedehnte Sumpf dort, den Schweden erst im Lauf des Vormarsches auffallen wird (sonst wäre wahrscheinlich ein anderer Aufmarsch befohlen worden).
Solche kleinen Gimmicks im unterschiedlichen Kartenmaterial sind gerne in den programmed scenarios drin, was ich sehr mag. 

Da im Talboden die russische Artillerie bereits in Stellung war, nahm sie die Schweden bei deren Vormarsch unter Feuer und verursachte auch bald erste Verluste.



Die Schweden (Mitte und unten, bereits mit Verlusten durch die Artillerie) versuchen, dem russischen Gegenangriff auf ihrer rechten Flanke zu begegnen.


Doch schon bald bricht die erste schwedische Kavallerie nach einem grottigen Würfelergebnis und muss panisch das Schlachtfeld verlassen.



Die Kanonen der Schweden sind im Gegensatz sehr langsam, müssen erst in Reichweite gezogen und dann schwerfällig abgespannt werden.
Rechts sind die Kosaken vor den aggressiven Russen zurückgewichen.



Doch bald darauf gelingt es den Kosaken, zusammen mit einer schwedischen Batterie, ihren russischen Gegenpart zu zerstreuen.


Das verbliebene russische Regiment Narvski versucht rechts, die Kosaken unter Druck zu setzen, gerät dadurch aber vor die Rohre der nunmehr in Stellung gegangenen schwedischen Batterien.

Links geht der schwedische Vormarsch weiter voran, auch wenn immer wieder Verluste durch russische Kanonentreffer zu verbuchen sind. 



Die Schweden nutzen ihre örtliche Überzahl aus: die Kosaken plänkeln um die russischen Infanteristen und die Artillerie beschießt sie frontal.



Das russische Regiment Narvski (Mitte rechts) wird unter dem konzentrierten Beschuss ungeordnet.



Unten links haben plänkelnde Kosaken vom Don und in russischen Diensten, den Sumpf besetzt und beschießen von dort die anrückenden Schweden.



Die Don-Kosaken (Mitte unten) halten die schwedische Reiterei auf Abstand.
Oben gelingt es der russischen Infanterie nicht, die anstürmenden Schweden mit Musketenfeuer zu stoppen. Weitere Plänkler der Don-Kosaken im Sumpf, weichen vor den Schweden zurück. 



Die Kosakenplänkler (Mitte links) machen sich davon. Auch unten weichen die Kosaken vor einem schwedischen Angriff in das schwere Gelände aus.



Die Schweden sind fast überall bereits angekratzt, aber ihre aggressive Ga Pa-Doktrin trifft die Russen hart.



Währenddessen gelingt es der schwedischen Artillerie und den Dragonern, das Narvski-Regiment aufzureiben.



Da die Schweden jetzt im Nahkampf sind, fehlen den russischen Kanonen die Ziele.



Regiment Narvski flieht das Tal entlang.



Die schwedische Kavallerie wagt sich nicht in das schwere Gelände und nimmt kontinuierlich Schaden durch die Don-Kosaken. Aber weiter oben beginnen die Russen zu wanken.



Fast gleichzeitig brechen beide russischen Infanterieregimenter und die Schweden setzten nach.



Im Wald links oben haben sich die Plänkler der Don-Kosaken versteckt, aber ihre Motivation zum Eingreifen hält sich in Grenzen, als sie die fliehenden Russen sehen.



Die einsame russische Kavallerieeinheit wappnet sich für den bevorstehenden Angriff.
Aber das schwedische Regiment Kronobergs rechts hat sich zu weit vorgewagt und bietet der letzten verbliebenen russischen Infanterie die Flanke. 



Die Schweden vom Rgt. Kronobergs werden frontal von Reiterei und in der Flanke von Infanterie angegriffen...



... aber in einer äußerst beeindruckenden Zuschaustellung von Kampfgeschick und Entschlossenheit, treffen die Schweden mit allen Attacken (schwarze Würfel) und halten somit dem potentiell todsicheren Doppelangriff stand !



Immerhin können die Don-Kosaken aus dem Sumpf die schwedische Reitereinheit vertreiben.



Links (in rot/blau) schwenkt das ungebundene schwedische Regiment Närke-Värmland auf die Flanke der russischen Reiter ein um die Kronoberger zu entlasten.



Da Rgt. Kronoberg immer noch stoisch stand hält, reicht den Närke-Värmländern die Zeit, ihren Angriff zu vollenden.

Der anschließende Nahkampf bringt die Entscheidung, als die russische Reiterei durch den Flankenangriff aufgerieben wird und dadurch die Armeemoral der Russen bricht.

Trotz Verlusten ist es den Schweden gelungen, den Pass freizukämpfen und ihren Auftrag zu erfüllen.


Fazit:

Einmal mehr hat sich gezeigt, dass die schwedischen Karoliner durch ihre überlegene Qualität einiges einstecken und trotzdem noch hart zuschlagen können. Wenn es ihren Gegnern nicht gelingt, die Schweden im Ansturm zu zerrütten, haben sie immer einen schweren Stand.

Wobei natürlich die Leistung der Kronoberger (also ihr Würfelglück) wider alle Wahrscheinlichkeit war :-)

Dienstag, 3. März 2026

Die Redouten von Poltava 1709 (Großer Nordischer Krieg)

Der Sturm auf die Schanzen von Poltava 1709 (großer nordischer Krieg)


Eines meiner Fernziele im Hobby ist eines Tages die Schlacht von Poltava, aus dem Großen Nordischen Krieg, in vollem Umfang nachspielen zu können.

In Vorbereitung hierzu habe ich bereits meine Sammlung an Schanzen erweitert, die die "Wellenbrecher" des schwedischen Aufmarsches dort waren.

Um das Setting mal vorab etwas zu bespielen, hatte ich am 29.10.2025 einen Teil meiner 15mm GNW Schweden und Russen ausgepackt.


Als Regelwerk habe ich "The Pikeman´s Lament" (von Osprey) mit meinen Hausregeln für diesen Konflikt benutzt.


Hier sieht man die 6 russischen Schanzen, von denen aber einige noch nicht ganz fertiggestellt waren. Dahinter standen russische Reiter.


Unten die Schweden, die eine Art Brigadekolonnen bildeten, um die Schanzen/Redouten zu stürmen oder die Zwischenräume zu nehmen. Dahinter schwedische Reiterei.


Das Ganze war als Überraschungsangriff im frühen Morgengrauen geplant. Da aber die erschöpfte schwedische Reiterei in der Dunkelheit viel zu lange brauchte, um im Anmarschgebiet kampffertig zu erscheinen, verzögerte sich die Operation deutlich.


Das bedeutete, dass die Schweden (hier rechts) den Angriff mit der Morgensonne machten, wodurch dieser bereits sehr bald von den Russen entdeckt wurde.


Die Schanzen sind (teilweise) mit Artillerie bestückt, die bereits gute Sicht auf ihre Ziele hat.


Die schwedischen Kolonnen teilen sich auf: einige Regimenter greifen die Redouten an, andere wollen dazwischen hindurch.


Durch einen "positiven Befehlspatzer" entpuppt sich ein schwedischer Offizier als heroische Persönlichkeit, die mit einer separaten Figur dargestellt wird (rechts).


Die erste (unfertige) Redoute kann verhältnismäßig leicht genommen werden.


Die Russen fallen kämpfend zurück (oben).


Die Schweden setzen nach und brechen den Gegner, kommen aber langsam in Reichweite der gegnerischen Artillerie.


Und schon die nächste Schanze wartet...


Ein weiterer schwedischer Nachteil war, dass es Missverständnisse gab, ob jetzt alle oder nur einige Schanzen erobert und genommen werden sollten. Oder ob eigentlich nur gewollt war, die Verteidiger dort zu binden und mit dem Hauptteil der Angriffstruppen die Befestigungen zu umgehen, um das russische Hauptheer anzugreifen.


Das hatte zur Folge, dass sich der Angriff sehr verzettelte. Einige Regimenter bissen sich langwierig an der Eroberung fest, während andere die Schanzen ignorierten und schnell viel weiter vorstießen.
 

Das Dal-Regiment (Dalcarla) erstürmt die nächste Schanze, aber die Verluste häufen sich. 


Russische Reiter / Dragoner (oben) unternehmen Entlastungsangriffe (hier gegen Rgt. Närke-Värmland), werden aber verbissen zurückgeschlagen.


Rgt. Dalcarla ist bereits schwer dezimiert (die Hälfte der Trefferpunkte sind verloren).


Unten wappnen sich die Dragoner für den schwedischen Hauptangriff.


In einer weiteren unfertigen Redoute befindet sich russische Artillerie. 
Deren unentwegtem Beschuss ist es gelungen, die ersten Schweden in die Flucht zu treiben. 


Überblick: den Schweden (rechts) ist es gelungen, die beiden zentralen Schanzen freizuräumen und in Linie zu gehen. Links stehen die Russen aber noch fest und 4 weitere Schanzen warten.


Die schwedische Infanterie ist bereits so geschwächt, dass die Kavallerie unterstützen muss. 


Aber auch die Russen (oben) haben keine Reserven mehr.


Das schwed. Leibregiment schafft es nicht, die Artilleriebatterie zu nehmen und wird aufgerieben.


Die Untertanen von Zar Peter I. wehren sich hartnäckig, auch wenn sie den Skandinaviern qualitätsmäßig weit unterlegen sind.


Einige Spielrunden später ist das Schlachtfeld schon deutlich ausgedünnt.


Es gibt auf beiden Seiten beinahe mehr fliehende, als kampffähige Einheiten.


Aber die verbliebenen Schweden raffen sich auf zum finalen Durchbruch.


Eine der letzten Schanzen fällt, aber die Schweden sind in Unordnung.


Russische Artilleristen feuern ihr Geschütz ein letztes Mal ab, bevor sie zurück ins russische Hauptlager fliehen.


Ergebnis:
Letztendlich ist des den Schweden mit ihrer überragenden Aggressivität und qualitätsmäßigen Überlegenheit gelungen, den Redouten-Gürtel zu durchbrechen und die Russen zu verjagen.
Aber die Verluste waren dermaßen hoch, dass ein Angriff auf das viel größere russische Hauptheer nunmehr undenkbar geworden ist. Zumal sich dieses ja noch in einem riesigen Feldlager verschanzt hatte.
Den Schweden wäre wahrscheinlich nur übrig geblieben, die Redouten so gut es geht selbst zu besetzen und zu versuchen, die Russen zu einem ihrerseits blutigen Angriff zu verleiten.
Insofern muss man das Spiel, trotz dem dass die Schweden das Schlachtfeld behaupteten, wohl eher als russischen Erfolg werten.

Spielbericht aus dem Großen nordischen Krieg "Pass Clearance" (Programmed Wargames Scenarios)

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