Dienstag, 3. März 2026

Die Redouten von Poltava 1709 (Großer Nordischer Krieg)

Der Sturm auf die Schanzen von Poltava 1709 (großer nordischer Krieg)


Eines meiner Fernziele im Hobby ist eines Tages die Schlacht von Poltava, aus dem Großen Nordischen Krieg, in vollem Umfang nachspielen zu können.

In Vorbereitung hierzu habe ich bereits meine Sammlung an Schanzen erweitert, die die "Wellenbrecher" des schwedischen Aufmarsches dort waren.

Um das Setting mal vorab etwas zu bespielen, hatte ich am 29.10.2025 einen Teil meiner 15mm GNW Schweden und Russen ausgepackt.


Als Regelwerk habe ich "The Pikeman´s Lament" (von Osprey) mit meinen Hausregeln für diesen Konflikt benutzt.


Hier sieht man die 6 russischen Schanzen, von denen aber einige noch nicht ganz fertiggestellt waren. Dahinter standen russische Reiter.


Unten die Schweden, die eine Art Brigadekolonnen bildeten, um die Schanzen/Redouten zu stürmen oder die Zwischenräume zu nehmen. Dahinter schwedische Reiterei.


Das Ganze war als Überraschungsangriff im frühen Morgengrauen geplant. Da aber die erschöpfte schwedische Reiterei in der Dunkelheit viel zu lange brauchte, um im Anmarschgebiet kampffertig zu erscheinen, verzögerte sich die Operation deutlich.


Das bedeutete, dass die Schweden (hier rechts) den Angriff mit der Morgensonne machten, wodurch dieser bereits sehr bald von den Russen entdeckt wurde.


Die Schanzen sind (teilweise) mit Artillerie bestückt, die bereits gute Sicht auf ihre Ziele hat.


Die schwedischen Kolonnen teilen sich auf: einige Regimenter greifen die Redouten an, andere wollen dazwischen hindurch.


Durch einen "positiven Befehlspatzer" entpuppt sich ein schwedischer Offizier als heroische Persönlichkeit, die mit einer separaten Figur dargestellt wird (rechts).


Die erste (unfertige) Redoute kann verhältnismäßig leicht genommen werden.


Die Russen fallen kämpfend zurück (oben).


Die Schweden setzen nach und brechen den Gegner, kommen aber langsam in Reichweite der gegnerischen Artillerie.


Und schon die nächste Schanze wartet...


Ein weiterer schwedischer Nachteil war, dass es Missverständnisse gab, ob jetzt alle oder nur einige Schanzen erobert und genommen werden sollten. Oder ob eigentlich nur gewollt war, die Verteidiger dort zu binden und mit dem Hauptteil der Angriffstruppen die Befestigungen zu umgehen, um das russische Hauptheer anzugreifen.


Das hatte zur Folge, dass sich der Angriff sehr verzettelte. Einige Regimenter bissen sich langwierig an der Eroberung fest, während andere die Schanzen ignorierten und schnell viel weiter vorstießen.
 

Das Dal-Regiment (Dalcarla) erstürmt die nächste Schanze, aber die Verluste häufen sich. 


Russische Reiter / Dragoner (oben) unternehmen Entlastungsangriffe (hier gegen Rgt. Närke-Värmland), werden aber verbissen zurückgeschlagen.


Rgt. Dalcarla ist bereits schwer dezimiert (die Hälfte der Trefferpunkte sind verloren).


Unten wappnen sich die Dragoner für den schwedischen Hauptangriff.


In einer weiteren unfertigen Redoute befindet sich russische Artillerie. 
Deren unentwegtem Beschuss ist es gelungen, die ersten Schweden in die Flucht zu treiben. 


Überblick: den Schweden (rechts) ist es gelungen, die beiden zentralen Schanzen freizuräumen und in Linie zu gehen. Links stehen die Russen aber noch fest und 4 weitere Schanzen warten.


Die schwedische Infanterie ist bereits so geschwächt, dass die Kavallerie unterstützen muss. 


Aber auch die Russen (oben) haben keine Reserven mehr.


Das schwed. Leibregiment schafft es nicht, die Artilleriebatterie zu nehmen und wird aufgerieben.


Die Untertanen von Zar Peter I. wehren sich hartnäckig, auch wenn sie den Skandinaviern qualitätsmäßig weit unterlegen sind.


Einige Spielrunden später ist das Schlachtfeld schon deutlich ausgedünnt.


Es gibt auf beiden Seiten beinahe mehr fliehende, als kampffähige Einheiten.


Aber die verbliebenen Schweden raffen sich auf zum finalen Durchbruch.


Eine der letzten Schanzen fällt, aber die Schweden sind in Unordnung.


Russische Artilleristen feuern ihr Geschütz ein letztes Mal ab, bevor sie zurück ins russische Hauptlager fliehen.


Ergebnis:
Letztendlich ist des den Schweden mit ihrer überragenden Aggressivität und qualitätsmäßigen Überlegenheit gelungen, den Redouten-Gürtel zu durchbrechen und die Russen zu verjagen.
Aber die Verluste waren dermaßen hoch, dass ein Angriff auf das viel größere russische Hauptheer nunmehr undenkbar geworden ist. Zumal sich dieses ja noch in einem riesigen Feldlager verschanzt hatte.
Den Schweden wäre wahrscheinlich nur übrig geblieben, die Redouten so gut es geht selbst zu besetzen und zu versuchen, die Russen zu einem ihrerseits blutigen Angriff zu verleiten.
Insofern muss man das Spiel, trotz dem dass die Schweden das Schlachtfeld behaupteten, wohl eher als russischen Erfolg werten.

Montag, 26. Januar 2026

Impressionen Deutsch-französischer Krieg 1870/1871 (One Hour Wargames)

 

Impressionen Deutsch-französischer Krieg 1870/1871 (One Hour Wargames) 


In 2023 war ich mit dem Aufbau zweier 15mm Armeen für den Deutsch-französischen Krieg 1870/71 beschäftigt.


Um das, was ich bis dahin fertig bemalt hatte, auch schonmal auf dem Spieltisch einzusetzen, spielte ich ein schnelles kleines Szenario von Neil Thomas` Buch  "One Hour Wargames"


In diesem Krieg wurden ja zum ersten mal in Europa im großen Stil die neuen Eisenbahnlinien genutzt um schnelle Truppenverschiebungen vornehmen zu können. 


Und darum soll es auch in diesem Szenario gehen: die Franzosen haben eine Eisenbahnlinie mit Artillerie in erhöhten Positionen und sogar einer kleinen Schanze gesichert.


Damit ihre Armee weiter ins Feindesland vordringen kann, wurden preußische Truppen entsandt, um die Bahnlinie freizukämpfen.


Oben die Franzosen mit ihrer Schanze, von unten kommen die Preußen. Deutsche Kürassiere wurden außerdem auf ein weites Umgehungsmanöver auf der linken Flanke entsendet.


Die Krupp-Geschütze nehmen den Hügel unter Feuer.


Während preußische Jäger ein Waldstück einnehmen, damit die Infanterie weiter vorstürmen kann.


Französische Gardeartillerie in der Schanze.


Der französische Hügel wird von Turcos (Kolonialtruppen aus Nordafrika) verstärkt.


Währenddessen sind die Kürassiere auf dem Weg.



Die preußische Linie wurde doch sehr von Chassepot-Gewehren und franz. Artillerie zusammengeschossen, stürmt aber mit letzten Kräften trotzdem gegen die Schanze an.


Links ist französische Reiterei aufgetaucht und verwickelt die Kürassiere in ein Handgemenge.


Mit letzter Kraft erobern die Preußen die Schanze.


Die Franzosen haben dann doch die Kürassiere überwältigt und die Preußen müssen einige kaum entbehrliche Infanteristen aus dem Zentrum in die Flanke schicken.


Die Verluste häufen sich auf beiden Seiten.


Die preußischen Zündnadelgewehre vertreiben die französische Kavallerie.


Die Schanze ist erobert und die gegnerische Reiterei ist zerstreut. 

Der Rest der Franzosen muss sich zurück ziehen und die Bahnlinie freigeben. Ein knapper und verlustreicher preußischer Sieg.

Montag, 19. Januar 2026

Die Schlacht von Dirschau 1627 (Field of Glory: Renaissance Spielbericht)

 

Die Schlacht von Dirschau 1627

Field of Glory: Renaissance - Spielbericht

Am Nikolaustag 2025 kam mein alter Hobbykollege Mikko zu einem historischen Szenario vorbei.

Mikko stellte die Schweden unter Gustav II. Adolf, während ich die Polen (Polish-Lithuanian Commonwealth) übernahm.


Historischer Hintergrund:

Bevor Schwedenkönig Gustav II. Adolf im 30-jährigen Krieg eingriff, führte er noch Krieg mit seiner Verwandtschaft, dem polnischen König Sigismund III., der ebenfalls dem Haus Vasa angehörte. Es ging vor allem um die Vorherrschaft im Baltikum. 

In dem Bestreben Danzig zu erobern, hatten die Schweden die Stadt Dirschau eingenommen. Da sie sich als zu schwach erachteten um der überlegenen polnischen Reiterei im offenen Feld gegenüber zu treten, errichteten sie nahe der Stadt ein befestigtes Lager. Dies war durch die schwächere polnische Infanterie und Artillerie nicht zu erstürmen. Die Annährung war durch ausgedehntes Marschland geschützt..

Kronhetman Stanislaus Koniecpolski blockierte die Schweden, um ein weiteres Vorgehen gegen Danzig zu verhindern. Die Schweden sahen sich zum Ausbruch genötigt. Am ersten Tag der Schlacht fanden kleinere Reitergefechte und Probevorstöße statt. Am zweiten Tag marschierten die Schweden in voller Stärke aus ihrem Lager um die Polen-Litauer zu schlagen.  

Bei diesen Kämpfen erhielt König Gustav II. Adolf auch seine Wunde im Nacken, die fortan verhindern sollte, dass er einen Kürass anziehen konnte, was ihm dann später bei Lützen ggfs. zum Verhängnis geworden ist. 


Unten links die Stadt Dirschau, rechts daneben das schwedische Feldlager. Am rechten Bildrand das Dorf Lunau. Oben beginnt das Marschland und links befindet sich das Dorf Rokittken.

Die Polen haben zwei Durchgänge durch die Sümpfe besetzt und mit Artillerie bestückt.


Unten rücken die Schweden vor, oben müssen sich die Polen durch die Sumpflandschaft kämpfen.


Die Schweden wollen den zerrütteten Aufmarsch der Polen ausnutzen und gehen vor allem mit ihrer Reiterei schnell auf beiden Flügeln vor (unten und oben).


Die schwedische Infanterie bleibt etwas zurück. Das Risiko für die Schweden besteht darin, dass ihre Reiterei schlecht gerüstet und unerfahren ("poor") ist.


Der Rest der polnischen Armee ballt sich links in zwei Haufen um die Lücken zwischen den Sümpfen zu passieren. Oben links in der Ecke das polnische Lager. 


Die Polen entsenden zunächst ihre leichten Reiter und Kosaken, um die Schweden etwas zu bremsen (Reitereinheiten, die nicht in Feindesnähe sind, dürfen sich bei FoG:R bis zu dreimal bewegen !)


Schwedische Dragoner versuchen den Morast zu erreichen, um von dort die polnische Flanke zu bedrohen.


Oben plänkeln die Kosaken mit der schwedischen Reiterei. Unten wurden polnische Pancerni vorgeschickt, aber schon durch schwedischen Beschuss dezimiert. Aber die erste Einheit Flügelhusaren ist immerhin unterwegs.


Es kommt zu ersten Zusammenstößen der Reitereien.


Nicht überraschend sind die Pancerni unter dem Beschluss gebrochen und geflohen. Die Husaria bringt sich in Position., Die Einheit in der Bildmitte hat aber auch schon Verluste erlitten.


Auf der anderen Schlachtfeldseite formiert sich die polnische Söldner-Infanterie in Kolonnen um die Lücke zwischen Dorf und Sumpf zu passieren. Leichte Artillerie wird mitgezogen. 

Die Kosaken plänkeln immer weiter zurück vor der anrückenden Schwedenreiterei. 


Aber auf der anderen Seite des Dorfes Rokittken prescht eine Schwadron Flügelhusaren so schnell es geht vor, um die schwedische Flanke zu bedrohen.


Die Schweden fächern aus, um ihre Flanken zu schützen, werden sich aber als viel zu schwach herausstellen um den polnischen Reiterangriff auszuhalten.


Auf der anderen Seite haben die Schweden (links) die Husaria (mitte) recht gut im Griff.  Diese muss Runde um Runde einen Kugelhagel von Dragonern und berittenen Harkebusieren über sich ergehen lassen, aber glücklicherweise treffen die Schweden nicht besonders gut.


Polnische Heiduken und weitere Pancerni ziehen nach (rechts oben). 


 Allerdings machen die Schweden einen Fehler, als sie eine Reitereinheit zu nah direkt vor eine ihrer Pike&Shot-Einheiten stellen.


Kronhetman Koniecpolski persönlich schließt sich der Husaria an, um sie in einen vernichtenden Angriff zu führen.


Und der Angriff kommt. Aber zum Erstaunen aller, hält die schwache schwedische Reiterei stand !


Zwischenstand: Unten rechts ist es den polnischen Heiduken mit Glück gelungen, die Dragoner im Sumpf zu erschießen. Links davon fährt sich der Angriff der Husaria fest.

Links oben schwenkt schwedische Infanterie auf diesen Kampf ein um in Musketenreichweite zu kommen.


Auf der anderen Seite kommen die Polen nicht so richtig aus der Engstelle heraus. 


Ein verwegener schwedischer Reiterangriff auf die polnischen Stellungen endet aber mit dem Totalverlust der Kavalleristen.


Auch ein schwedischer Reitergeneral wirft sich ins Getümmel, wird aber im Handgemenge erschlagen. Das ist zu viel für seine Reiter: sie ergreifen in Panik die Flucht und durchbrechen das Infanterieregiment dahinter.

  

Die Flügelhusaren setzen ungestüm hinterher und brechen in die ungeordnete Fußtruppe.

Im Zentrum ist die schwedische Infanterie langsam angekommen und auf Reichweite.


Pancerni reiten im Vordergrund in die ungeschützte Flanke der schwedischen Infanteristen.


Unten hält polnische Artillerie die Schweden auf Abstand. Rechts oben haben die Polen die schwedischen Reiter letztendlich zerstreut und können sich jetzt entfalten. 

Auch die Flügelhusaren hinter dem Dorf (am ganz oberen Bildrand) haben zwei schwedische Reitereinheiten gebrochen und schwenken auf das schwedische Infanteriezentrum ein.


Der finale Akt: Die Flügelhusaren Koniecpolskis haben die gegnerische Infanterie gebrochen und verfolgen diese. Damit sind die schwedischen Verluste insgesamt ausreichend hoch, um einen Armeebruch herbeizuführen. Als letzte Vergeltung ziehen die Flüchtenden Koniecpolski (mit einer Doppel-6) vom Pferd und schlagen ihn nieder.

Das ändert aber nichts mehr am Ausgang der Schlacht. Nach ersten Schwierigkeiten haben die Polen dann doch beide schwedische Flügel zerschlagen und das Gefecht deutlich mit 15:5 gewonnen.


Nachbetrachtung:

Letztendlich hat sich die überlegene Qualität der Flügelhusaren durchgesetzt. Die schwedische Artillerie war nicht so verheerend wie sie hätte sein können und die viel bessere Infanterie kam viel zu spät ins Gefecht um noch eine Rolle zu spielen.

Es ist aber natürlich sehr verlockend für die Schweden, mit ihren schnellen Einheiten die ungeordnete Aufstellung der Polen versuchen auszunutzen. 

Es war aber wieder sehr schön, nach mindestens 8 Jahren mal wieder mit Mikko FoG:R spielen zu können und auch seine tollen Schweden auf dem Spieltisch zu haben.

Die Redouten von Poltava 1709 (Großer Nordischer Krieg)

Der Sturm auf die Schanzen von Poltava 1709 (großer nordischer Krieg) Eines meiner Fernziele im Hobby ist eines Tages die Schlacht von Polta...