Freitag, 27. März 2026

Die Schlacht an der Dessauer Brücke 1626 - Teil 1


Die Schlacht an der Dessauer Brücke 1626 - Teil 1           

Hintergrund, TACTICA-Impressionen und Spielbericht 1.Szenario


Vorgeschichte:

Als wir uns beim Malabend der Kurpfalz Feldherren Ende 2025 Gedanken machten, was wir auf der TACTICA 2026 in Hamburg präsentieren wollen, gab es verschiedene Ideen. Bedingung war, dass wir etwas Historisches machen wollten, mit Figuren die wir (zum größten Teil) schon hatten und auch mit Gelände, das schon überwiegend vorhanden war. Irgendwie hatten wir keine Motivation etwas komplett Neues aus dem Boden zu stampfen. 
Da kam Don auf die Idee, das wir doch mal schauen könnten, welche Schlachten in 2026 Jahrestag hatten. Und da wir in den letzten paar Jahren doch eine ordentliche Menge an 28mm Armeen für den 30-jährigen Krieg sammelten, schauten wir bei diesem Krieg nach. Dadurch fiel die Wahl auf die Schlacht an der Dessauer Brücke am 25.April 1626.


Historischer Hintergrund:
Nachdem die Protestanten in der ersten Phase des 30-jährigen Krieges (im sogenannten Böhmischen Krieg) viel verloren hatten, sah sich der dänische König Christian IV. veranlasst, militärisch in den Konflikt einzugreifen, was zum Dänischen Krieg führte. Dem Dänenkönig ging es neben religiösen Vorwänden natürlich auch um seine Machterweiterung in Norddeutschland. Und außerdem wollte er seinen alten Rivalen, den Schweden, zuvorkommen.

Im Jahr 1626 operierte Christian IV. gegen Tilly, den Befehlshaber der katholischen Liga. Hauptschauplatz war das heutige Niedersachsen und Nordhessen. Eine zweite Armee der Protestanten unter Graf Ernst von Mansfeld wollte östlich davon im kaiserlichen Böhmen einfallen, sich mit dem Fürst von Siebenbürgen, Bethlen Gabor, vereinen und zusammen direkt Wien und den Kaiser bedrohen.

Dieser schickte seinen (1625 neu ernannten) Feldherren Albrecht von Wallenstein dem Mansfelder entgegen. 


Die historische Schlacht:
Wallenstein hatte die Elbebrücke bei Dessau befestigen und sichern lassen. Ein erster Angriff der Protestanten auf die Schanzen schlug Anfang April 1626 fehl. Mansfeld entschloss sich zur Belagerung, obwohl es noch andere Punkte gegeben hätte, an denen er die Elbe hätte überqueren können.
Die Protestanten errichteten ihrerseits Schanzen und Laufgräben und zermürbten die Katholiken unter dem Kommando von Johann von Aldringen. Aber die Verteidiger hielten zwei Wochen stand, bis Wallenstein mit dem Rest seines Heeres Mitte April eintraf. 
Wallenstein ließ die Verteidigungsstellung nochmals ausbauen und begann, mit seinen jetzt überlegenen Kräften, die Mansfelder zum umfassen. 
Mansfeld sah, dass er kaum noch was zu gewinnen hatte und befahl einen letzten Angriff für den 25.04.1626. Dieser schlug aber ebenso fehl wie die Vorhergegangenen und als sich seine Armee zurückzuziehen begann, wurden sie von Wallenstein mit Macht angegriffen, komplett zerstreut und in die Flucht geschlagen. 


Die Szenarien:
Vor diesem Hintergrund haben wir die Geschehnisse an der Dessauer Brücke in drei Szenarien aufgeteilt, die den Verlauf in chronologischer Folge nachstellen sollen.
Das Setting ist insofern auch interessant, da im Wargaming im 30-jährigen Krieg oft die Schweden eine prominente Rolle spielen, zu dieser Zeit aber noch nicht in dem Konflikt vertreten waren. 
Das führte auch dazu, dass wir bei den Truppentypen für beide Seiten, auf caracolierende Harkebusiere und schwere Kürassiere zurückgreifen und die späteren aggressiven schwedischen Taktiken außen vor lassen konnten. Da sich die Demospiele somit auf wenige Truppentypen beschränkten, war es für die Spieler auch einfacher, sich zurechtzufinden. 


Impressionen TACTICA:
Unsere Präsentation umfasste dann doch einen Spieltisch mit den Abmessungen von 1,20 x 3,90 m und war damit einer der größten Tische, die wir bisher auf der TACTICA gemacht haben.



Der lange Spieltisch in seiner ganzen Pracht ;-)



Regelwerk war übrigens Osprey´s "The Pikemans Lament" mit einigen Hausregeln. 



Wir hatten bei weitem mehr Einheiten als wir eigentlich zum Spielen gebraucht hätten...



... aber viel ist einfach besser :-)



Die Stadt Dessau hatten wir lediglich mit einem Stadttor angedeutet, da sie auch in der historischen Schlacht keine größere Rolle spielte.



Kürassiere ("Renaissance Heavy Cavalry" von Wargames Atlantic) 





Massierte Pike&Shot-Einheiten vor dem Mansfeldischen Lager



Die Kaiserlichen nähern sich durch die ausgedehnten Wälder.



Ein Jägersmann weist den Kürassieren den Weg.


Andere Spielfeldseite:



Hier treffen die Kroaten und leichten Reiter auf protestantische Kavallerie.



Versorgungswagen, Gehöfte und Berittene.



Auch das Mansfeldische Lager  war sehr groß und ausgedehnt


Jeder hatte noch ein paar Vignetten und Gimmicks beigesteuert


z.B. die Schlachtvieh-Rinderherde


Die Schanzen an der Dessauer Brücke wurden insgesamt fünfmal über das Wochenende bestürmt...



... und sind auch ein ums andere Mal gefallen.





Alles in allem waren wir mit unserer Präsentation, den Spielen und dem Regelwerk wieder mal sehr zufrieden und der weite Weg nach Hamburg hatte sich erneut gelohnt. 





                                                Spielbericht 1.Szenario:   "Erster Sturmangriff"

Nachdem ich noch die ganzen Figuren und das Gelände von der Präsentation zu Hause hatte, kam am 11.03.2026 Stefan vorbei, damit wir nochmal das erste Szenario unserer "Dessau-Trilogie" spielen konnten. 


Er brachte noch seine Einheiten mit und führte als Graf Mansfeld die Protestanten ins Feld.



Rechts rückt die Masse der Protestanten an. 



Klassisch war die Infanterie im Zentrum und an den Flanken jeweils eine Reitereinheit.



Blick von Süden auf das Schlachtfeld. Unten der Fluß Mulde, dann die breite Elbe und die Dessauer Brücke links (prima gebastelt vom Großmeister Don). Am jenseitigen Brückenende die kaiserlichen Schanzen. Rechts hinten befindet sich eine Redoute mit einer schweren kaiserlichen Batterie.



Der Brückenkopf bereitet sich auf das Schlimmste vor. 


Das Kommando führt Johann von Aldringen.



Das weitreichende kaiserliche Geschütz nimmt die anrückenden Mansfelder unter Beschuss.



Vor allem die schweren protestantischen Kürassiere links sind einschüchternd.
Links oben eröffnet eine Mansfeldische Kanone das Feuer auf die Infanterie in der vordersten Redoute. 



Nicht ganz historisch hat sich auch ein bayrisch-ligistisches Regiment zur Verteidigung eingefunden.



Die Katholiken treffen gut mit ihren Geschützen und beide protestantischen Reitereien an den Flanken sind bereits auf halbe Stärke reduziert.



Die angeschlagenen Reiter fallen hinter ihre vormarschierende Infanterie zurück.



Der Vormarsch der großen mansfeldischen Regimenter ist beeindruckend (mit der Sonderregel "Alter Marschierer" kann Graf Mansfeld Einheiten besser bewegen).



Doch sobald beide Seiten aus Musketenweite gekommen sind, zerrüttet der Beschuss die Schlachtordnung.



Die Bayern fallen unter dem Feuer zurück und verlassen ihren Posten an der Schanze !



Aber auch die Protestanten leiden und hier sind drei Regimenter ungeordnet (erkennbar an den Verlustmarkern bei den Einheiten).



Die Infanterie sammelt sich wieder, aber die protestantischen Kürassiere fallen weiter zurück.  



Der Sturmangriff auf die Redoute gelingt, die Mansfeldischen brechen in die Schanze ein !



Blick von der protestantischen Seite, es sieht vielversprechend aus.



Aber das Blatt wendet sich, als mit einem katastrophalen Würfelwurf (Doppel-Eins) die Mansfelder den Kampf abbrechen und fliehen !


Die Redoute ist wieder kaiserlich.



An der Flanke wagt sich eine Einheit nicht so richtig vor, vor allem als neben ihnen die Kürassiere brechen und fliehen.




Die Kaiserlichen in der Redoute werden durch massiven Beschuss aufgerieben und fliehen.
Aber auch Mansfeld hat mit dem "roten Regiment" nur noch einen Pfeil im Köcher...



 ... doch das Regiment bricht unter dem konzentrierten Feuer der Katholiken zusammen. Als es flieht, haben die Mansfelder ihren Armeebruch erreicht, stellen den Angriff ein und ziehen sich in ihr Lager zurück. 

So endete das Szenario historisch mit einer Niederlage von Mansfeld und die Protestanten mussten sich auf eine langwierige Belagerung einrichten.

Donnerstag, 26. März 2026

Spielbericht aus dem Großen nordischen Krieg "Pass Clearance" (Programmed Wargames Scenarios)

 

                      Spielbericht:  "Pass Clearance" im Großen Nordischen Krieg (GNW)


Immer eine gute Wahl für ein Solo-Spiel zwischendurch, ist das grandiose Buch Programmed Wargames Scenarios von Charles S. Grant.

In diesem Szenario muss eine Vorhut der Angreifer einen Pass zwischen zwei Hügelketten freikämpfen, damit die nachfolgende Armee ungehindert durchmarschieren kann. Die Nachhut der Verteidiger muss natürlich genau dies verhindern.


Gespielt wurde das Szenario mit dem Regelwerk: Field of Glory: Renaissance
Maßstab: 15mm 


Gerade für das Solo-Spiel ist es toll, dass man entweder eine oder sogar beide Seiten "programmiert" spielen kann, d.h. das Szenario gibt vor bzw. es wird ausgewürfelt, welche Strategie beide Armeen verfolgen. Die taktischen Entscheidungen trifft dann der Spieler innerhalb der vorgegebenen Strategie für das Szenario.



Auch die Art der Aufstellung und die Zusammensetzung der beteiligten Armeen wird zufällig ermittelt. So ist kein Spiel wie das andere.



In diesem Szenario gibt es ein Tal entlang der beiden langen Spielfeldkanten. Ich habe meine Spielfeldmatte auf beiden Seiten mit untergelegten Büchern u.ä. höher gemacht, was man hier auf dem Foto leider nicht so gut erkennen kann.



Auf diesem Foto sieht man die Krümmung des Geländes etwas besser.

Die Schweden kommen von unten und müssen durch die verteidigenden Russen (oben) durchbrechen.
Die Befehle besagten, dass der Angriff auf der linken Seite des Hanges erfolgen soll, während der rechte Hang nur mit leichter Reiterei gesichert werden soll.



Die russischen Befehle sahen vor, dass der Talboden und die Flanke mit dem Sumpf (oben) nur gehalten werden soll, während auf der (unteren) linken Flanke örtlich begrenzte Angriffe erlaubt wurden.



Auf ihrer rechten Flanke schicken die Schweden leichte Reiterei der verbündeten Kosaken vor.



Befehlsgemäß entwickeln sich die Schweden am Stärksten auf der linken Flanke. Hierzu muss noch erwähnt werden, dass der ausgedehnte Sumpf dort, den Schweden erst im Lauf des Vormarsches auffallen wird (sonst wäre wahrscheinlich ein anderer Aufmarsch befohlen worden).
Solche kleinen Gimmicks im unterschiedlichen Kartenmaterial sind gerne in den programmed scenarios drin, was ich sehr mag. 

Da im Talboden die russische Artillerie bereits in Stellung war, nahm sie die Schweden bei deren Vormarsch unter Feuer und verursachte auch bald erste Verluste.



Die Schweden (Mitte und unten, bereits mit Verlusten durch die Artillerie) versuchen, dem russischen Gegenangriff auf ihrer rechten Flanke zu begegnen.


Doch schon bald bricht die erste schwedische Kavallerie nach einem grottigen Würfelergebnis und muss panisch das Schlachtfeld verlassen.



Die Kanonen der Schweden sind im Gegensatz sehr langsam, müssen erst in Reichweite gezogen und dann schwerfällig abgespannt werden.
Rechts sind die Kosaken vor den aggressiven Russen zurückgewichen.



Doch bald darauf gelingt es den Kosaken, zusammen mit einer schwedischen Batterie, ihren russischen Gegenpart zu zerstreuen.


Das verbliebene russische Regiment Narvski versucht rechts, die Kosaken unter Druck zu setzen, gerät dadurch aber vor die Rohre der nunmehr in Stellung gegangenen schwedischen Batterien.

Links geht der schwedische Vormarsch weiter voran, auch wenn immer wieder Verluste durch russische Kanonentreffer zu verbuchen sind. 



Die Schweden nutzen ihre örtliche Überzahl aus: die Kosaken plänkeln um die russischen Infanteristen und die Artillerie beschießt sie frontal.



Das russische Regiment Narvski (Mitte rechts) wird unter dem konzentrierten Beschuss ungeordnet.



Unten links haben plänkelnde Kosaken vom Don und in russischen Diensten, den Sumpf besetzt und beschießen von dort die anrückenden Schweden.



Die Don-Kosaken (Mitte unten) halten die schwedische Reiterei auf Abstand.
Oben gelingt es der russischen Infanterie nicht, die anstürmenden Schweden mit Musketenfeuer zu stoppen. Weitere Plänkler der Don-Kosaken im Sumpf, weichen vor den Schweden zurück. 



Die Kosakenplänkler (Mitte links) machen sich davon. Auch unten weichen die Kosaken vor einem schwedischen Angriff in das schwere Gelände aus.



Die Schweden sind fast überall bereits angekratzt, aber ihre aggressive Ga Pa-Doktrin trifft die Russen hart.



Währenddessen gelingt es der schwedischen Artillerie und den Dragonern, das Narvski-Regiment aufzureiben.



Da die Schweden jetzt im Nahkampf sind, fehlen den russischen Kanonen die Ziele.



Regiment Narvski flieht das Tal entlang.



Die schwedische Kavallerie wagt sich nicht in das schwere Gelände und nimmt kontinuierlich Schaden durch die Don-Kosaken. Aber weiter oben beginnen die Russen zu wanken.



Fast gleichzeitig brechen beide russischen Infanterieregimenter und die Schweden setzten nach.



Im Wald links oben haben sich die Plänkler der Don-Kosaken versteckt, aber ihre Motivation zum Eingreifen hält sich in Grenzen, als sie die fliehenden Russen sehen.



Die einsame russische Kavallerieeinheit wappnet sich für den bevorstehenden Angriff.
Aber das schwedische Regiment Kronobergs rechts hat sich zu weit vorgewagt und bietet der letzten verbliebenen russischen Infanterie die Flanke. 



Die Schweden vom Rgt. Kronobergs werden frontal von Reiterei und in der Flanke von Infanterie angegriffen...



... aber in einer äußerst beeindruckenden Zuschaustellung von Kampfgeschick und Entschlossenheit, treffen die Schweden mit allen Attacken (schwarze Würfel) und halten somit dem potentiell todsicheren Doppelangriff stand !



Immerhin können die Don-Kosaken aus dem Sumpf die schwedische Reitereinheit vertreiben.



Links (in rot/blau) schwenkt das ungebundene schwedische Regiment Närke-Värmland auf die Flanke der russischen Reiter ein um die Kronoberger zu entlasten.



Da Rgt. Kronoberg immer noch stoisch stand hält, reicht den Närke-Värmländern die Zeit, ihren Angriff zu vollenden.

Der anschließende Nahkampf bringt die Entscheidung, als die russische Reiterei durch den Flankenangriff aufgerieben wird und dadurch die Armeemoral der Russen bricht.

Trotz Verlusten ist es den Schweden gelungen, den Pass freizukämpfen und ihren Auftrag zu erfüllen.


Fazit:

Einmal mehr hat sich gezeigt, dass die schwedischen Karoliner durch ihre überlegene Qualität einiges einstecken und trotzdem noch hart zuschlagen können. Wenn es ihren Gegnern nicht gelingt, die Schweden im Ansturm zu zerrütten, haben sie immer einen schweren Stand.

Wobei natürlich die Leistung der Kronoberger (also ihr Würfelglück) wider alle Wahrscheinlichkeit war :-)

Die Schlacht an der Dessauer Brücke 1626 - Teil 1

Die Schlacht an der Dessauer Brücke 1626 - Teil 1            Hintergrund, TACTICA-Impressionen und Spielbericht 1.Szenario Vorgeschichte: Al...