Die letzte Schlachtfeldbesichtigung für 2026 ging nach Höchstädt und Blindheim an der Donau.
Hier tobte am 13.08.1704 die 2. Schlacht von Höchstädt (im englischen Sprachraum bekannt als "The Battle of Blenheim") im spanischen Erbfolgekrieg.
Bereits seit einigen Monaten wurde in der Chatgruppe der "Ulmer Strategen" über diese Exkursion nachgedacht. Als glückliche Fügung erwies es sich, dass der ortsansässige Arnold Schromm sich bestens mit der Schlacht und der Gegend auskennt.
Am 24.10.2026 war es dann soweit. Ich startete in aller Frühe, sammelte bei Sinsheim noch Mirco ein und nach ca. 3 Stunden Fahrt trafen wir uns mit den anderen auf dem Marktplatz in Höchstädt.
Dort trafen wir Josef und Felix aus München und Carlos und Freunde aus Erlangen.
Die Kirche von Höchstädt. Obwohl die Schlacht im deutschsprachigen Raum als 2.Schlacht von Höchstädt bezeichnet wird, fanden hier keine Kampfhandlungen statt.
Deshalb fuhren wir weiter zum Dorf Blindheim, welches eine entscheidende Rolle in der Schlacht spielte.
Am Heimathaus wurden wir vom Vereinsvorsitzenden durch die Museumsräume geführt. Das Haus, der ehemalige "Zillenbauer-Hof" brannte im Verlauf der Kämpfe ab, wurde aber wieder an gleicher Stelle aufgebaut.
Außerdem ein sehr schönes Diorama von den Kämpfen in Blindheim.

Der Ort bildete den rechten Eckpunkt der französischen Schlachtaufstellung. Er wurde stark verschanzt und bemannt.
Mehrere englische Sturmangriffe schlugen fehl.

Die Häuser waren schön beleuchtet. Die Miniaturen wurden von Michael Einsiedel bemalt, der bei mir aus der weiteren Umgebung kommt.
Gegen Ende der Schlacht wurde das Dorf nicht mehr direkt gestürmt, sondern vielmehr von den Briten eingeschlossen und mit Kanonen und Mörsern in Brand geschossen. Den darin umzingelten Franzosen blieb nur die bedingungslose Kapitulation.
Sogar Knochenfragmente sind ausgestellt.
Die Exponate wurden bei der Arbeit auf den Äckern und in der hiesigen Kiesgrube gefunden.
Offensichtlich kamen auch Granaten zum Einsatz.

Im Dachgeschoss befinden sich noch weitere Funde aus der älteren Geschichte von Blindheim
Schneekufen aus der Steinzeit (sic!)
Und Dioramen vom neueren Bau der Kirche sind ausgestellt.
Vor dem Heimathaus steht ein Bildstock, der noch im Jahr der Schlacht 1704 errichtet wurde.
Im Hof präsentierte uns Arnold seine Uniform des preußischen Regimentes Anhalt-Dessau und gab eine Vorführung über das Laden und Abfeuern seiner Muskete.
Danach machten wir uns auf zum restlichen Schlachtfeld.
Hier aus der englischen Wikipedia die Übersichtskarte. Der genaue Schlachthergang kann dort nachgelesen werden.
Aufgrund des vollen Zeitplanes und der Weitläufigkeit des Schlachtfeldes, sind wir das mit dem Auto abgefahren.
Der Eichberger Hof. Hier leitete der kaiserliche Prinz Eugen von Savoyen die letztendlich erfolglosen Angriffe seiner dänischen und preußischen Truppen auf Lutzingen. Das Gebäude stammt noch aus der Zeit der Schlacht, wenn auch mit späteren Renovierungen.
Blick vom Eichberger Hof über das Schlachtfeld.
Danach fuhren wir auf den Goldberg der einen fantastischen Ausblick über das Schlachtfeld aus französischer Sicht bietet. Nach der verlorenen Schlacht fielen hier 34 Kutschen mit französischen Damen den Siegern in die Hände.
Man sieht gut, wie flach und übersichtlich das Schlachtfeld ist, genauso wie sich das in der Renaissance und Barock ein Feldherr wünscht.
Mehrere der kleinen Dörfer wie Lutzingen, Ober- und Unterglauheim und natürlich Blindheim waren in der Schlacht sehr wichtig, da sie von den Bayern und Franzosen besetzt waren und mühsam und verlustreich von den Truppen Prinz Eugens und Marlboroughs angegriffen werden mussten.
Alle Dörfer waren nach der Schlacht zumindest teilweise abgebrannt und die Felder ringsum zertrampelt, unbrauchbar und voll mit Toten und Verwundeten.
Nach der Rundfahrt ging es zurück nach Höchstädt.
Nach einem üppigen griechischen Grillteller besuchten wir das Alte Rathaus von Höchstädt. Auch hier hatte Arnold organisiert, dass uns die Dioramen gezeigt werden konnten, obwohl das Gebäude eigentlich wegen Umbau geschlossen ist.
Das Hauptdiorama weist eine beeindruckende Größe auf.
Hier versuchen französische Pioniere eine Fähre über die Donau zu improvisieren, damit sich die französische Armee zurück ziehen kann.
Das bayrisch-französische Lager.
Im Vordergrund versuchen die hiesigen Bauern noch, von ihrer Ernte zu retten was zu retten ist.
Im Hintergrund französische Kavallerie unter General Marsin.
Auch handwerklich-modellbauerisch ist das Diorama bestens gelungen.
In die Seitenwand eingelassen ein Modell der Stadt Höchstädt.
In der Seitenansicht sind natürlich die Flachfiguren nur ein Strich in der Landschaft :-)
Englischer Angriff aus das stark überbesetzte Blindheim.
Rechts unten erkennt man die französischen Dragoner, die abgesessen die Lücke zwischen Blindheim und Donau besetzen.
Gegen Nachmittag bricht vor allem englische Kavallerie im Zentrum durch. Die dort positionierten französischen Rekruten sind in Unterzahl und zu unerfahren, um dem etwas entgegen zu setzen. Vor allem da General Clerambault vorher große Teile der Infanterie des Zentrums nach Blindheim beordert hatte.
Nachdem das französische Zentrum gebrochen ist, wird Blindheim komplett eingeschlossen. Den Bayern unter Kurfürst Max-Emanuel gelingt es aber, sich geordnet zurück zu ziehen.
Das zweite kleinere Diorama stellt die Kämpfe um Lutzingen dar.
Hier standen die Bayern unter Kurfürst Max Emanuel und Franzosen unter Marschall Marsin.
Übersichtliche Schautafeln benennen die einzelnen Regimenter und ihre Position.
Die bayrischen Kürassiere trugen z.T. noch ein Lederkoller und einen Helm (Zischägge).
Rechts hinten am Waldrand die dänischen und preußischen Regimenter unter dem Kommando von Prinz Eugen.
Bei Lutzingen gab es mehrere Angriffe und Gegenangriffe und beide Seiten nutzten sich ab.
Aber den Angreifern gelang hier kein Durchbruch, sondern sie wurden sogar teilweise wieder zurück geworfen.
Nachdem die Dioramen eingehend studiert waren und es genug Fachsimpeleien gegeben hatte, war es schon später Nachmittag geworden und wir verabschiedeten uns von Arnold und untereinander.
Mirco und ich hatten noch etwas Zeit und spazierten daher noch zum nahegelegenen Schloss.
Dieses hat leider bereits Winterpause und war daher nur von Außen zu besichtigen.
Aber immerhin wurden Pläne geschmiedet, vielleicht hier mal in 2027 einen Dreispitz-Tabletop-Spieletag zu machen.
Auf dem Heimweg kamen wir nochmal durch Blindheim.
Wir konnten einen Blick auf die Kirche werfen, weil hierzu morgens noch keine Zeit war.
Auch die Kirche war, wie man im Diorama des Heimathauses sehen kann (siehe oben) am Tag der Schlacht schwer umkämpft und wurde zerstört.
Endlich kamen wir auch mal direkt an den Nebelbach, der damals bei Blindheim in die Donau floss und in der Schlacht so ein wesentliches Merkmal ist. Er ist heutzutage relativ schmal und flach, aber das ausgedehnte Flussufer gibt einen Hinweis darauf, welches Hindernis er darstellen konnte, wenn der ganze Bereich geflutet und morastig ist.

Zu guter Letzt fuhren wir noch zum Aussichtsturm zwischen Höchstädt und Blindheim.
Im Zuge des 300-jährigen Jubiläums wurde 2004 ein Denkmalweg "Auf den Spuren der Schlacht" angelegt.
Etwa an dieser Stelle befand sich die Nahtstelle zwischen Blindheim und dem französischen Zentrum, das von den Engländern durchbrochen wurde.
Blick nach Nordosten Richtung Unterglauheim. Etwa an der Baumlinie zieht sich der Nebelbach über das Schlachtfeld. Nachdem dieser von Marlborough überschritten war, kam es hier zu den Kämpfen zwischen Marschall Tallards und Marlboroughs Truppen.
Blick gen Nordwesten Richtung Oberglauheim, Lutzingen und Goldberg.
Danach machten wir uns dann auch auf die Heimfahrt.
Es war ein toller Tagesausflug, mit sehr informierten, interessierten und vor allem netten Hobbykollegen. Der größte Dank gebührt aber natürlich Arnold, der das alles für uns organisiert hat, uns souverän durch den Tag leitete und uns mit Fachkunde und Ortskenntnis wunderbare Einblicke in die Schlacht und das Schlachtfeld gegeben hat.
Wieder einmal ein großartiger Bericht und schöne Fotos. Das macht wirklich Lust, das Schlachtfeld selbst zu besuchen. Danke!
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