Montag, 29. Juni 2026

Die Schlacht bei Wimpfen 1622 - Teil 2: Das Schlachtfeld


Die Schlacht bei Wimpfen 1622 - Teil 2: Das Schlachtfeld


Von Bad Wimpfen aus (siehe den ersten Teil hier: Wimpfen Teil 1) machte ich mich auf den Weg zum Schlachtfeld. 


Überblick zur besseren Orientierung.



Druck von Merian. Diesmal der Blick von Norden nach Süden, d.h. unten Tillys ursprüngliche Aufstellung, das badische Heer und die Wagenburg Mitte oben. Links der Neckar, am oberen Bildrand der Böllinger Bach.


Da es mittlerweile Nachmittag geworden war, fuhr ich die etwa 8 km von Wimpfen mit dem Auto.
Ich startete quasi am Ende der Schlacht: am Böllinger Bach. Dieser erstreckte sich fast über die gesamte Rückseite der badischen Kampflinie.



Böllinger Hof.

Als die badische Armee des Markgrafen geschlagen war, versuchte sie über den Bach zu fliehen. Aber wegen Hochwasser kam es zu Stauungen, so dass viele Flüchtende von den katholischen Verfolgern eingeholt und niedergemacht wurden. 



Der Böllinger Hof hat zwar auch alte Gebäude, aber doch keines, das aus dem 17. Jahrhundert erhalten geblieben ist.



Vor der Schlacht marschierte ein Teil der Badischen in den Weinbergen nördlich des Böllinger Hofes auf und auch der Markgraf soll hier teilweise sein Hauptquartier gehabt haben.


Der heute bewachsene und unscheinbare Bach hat damals vielleicht eine größere Ausdehnung gehabt. Aber schon der tiefe Einschnitt im Gelände und die Vorstellung dass mehrere tausend Leute in Panik hier drüber wollen, lässt die Schwierigkeiten erahnen. 



Es bleibt natürlich die Frage, warum der Markgraf diesen Platz gewählt hat, wo ein Wasserlauf ihm die Rückzugslinie abschneidet.



Eine Erklärung könnte sein, dass man sich vor den schnellen, flinken Kroaten und anderen leichten Truppen in acht nehmen wollte und mit dem Böllinger Bach die nach hinten offene Wagenburg sichern wollte.
Es gibt auch Berichte von einigen katholischen Infanteristen, die bei Biberach die badische Linie umgingen und sich beim Böllinger Hof verschanzt hatten. Aus der Wagenburg mussten mehrere Kompanien Musketiere abkommandiert werden, um den Gegner aus dem Gehöft zu vertreiben.



Unweit vom Böllinger Hof stehen Gebäude der Böllinger Mühle. Hier befand sich eine der wenigen Brücken über den Bach, an der sich auch viele Flüchtende stauten und massakriert wurden. Es sollen mehrere tausend gewesen sein.

Die Steintafel am Haus weist allerdings auf einen Erbauer von 1770 hin.
  

              (Dornet Wald)

Danach fuhr ich nach Biberach und startete zu Fuß mit der Begehung des eigentlichen Schlachtfeldes.

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Wie man sieht ist das Schlachtfeld gänzlich unbebaut und landwirtschaftlich genutzt. Da der Weg durch die pralle Mittagssonne führte, gestaltete er sich entsprechend schweißtreibend.



Rechts hinten erkennt man den Dornet-Wald vor dem sich Tillys Liga und die Spanier unter Cordoba aufstellten. Links die Bäume des sogenannten "Förstle" (auf alten Karten manchmal "Hölzlein" genannt). Hier lag eine Abteilung badischer Musketiere in einer flankierenden Position, die im Lauf der Schlacht von spanischen Soldaten zerstreut wurden. In der Lücke zwischen Förstle und Dornet Wald stellte sich die gesamte spanische Reiterei auf.  



Blick über den Aufstellungsbereich des Markgrafes von Baden. 
Im Hintergrund das Heizkraftwerk Heilbronn. Dort befindet sich eine Brücke über den Neckar bei dem Dorf Neckargartach. Das Dorf wurde nach der Schlacht von den Ligatruppen völlig niedergebrannt, nachdem man die Einwohner misshandelt und ermordet hatte.



Erfrischung in der Waldschänke am Dornet-Wald.

 

Hier standen die Tercios der Ligatruppen und Spanier. 
Da es auch am Tag der Schlacht sehr heiß war, gab es zur Mittagszeit sogar eine Kampfpause von etwa 2 Stunden. Die Katholiken nutzen das, um sich im schattigen Wald auszuruhen und zu verpflegen, während die Badener in ihrer Wagenburg in der Sonne aushalten mussten.   



Gedenkstein für den auf markgräflicher Seite gefallenen Magnus von Württemberg, dem Bruder des regierenden Herzogs von Württemberg. 



Dieser fiel gegen 6 Uhr am Abend in der Nähe des Gedenksteines, während einem der zahlreichen Reitergefechte auf dem linken Flügel Tillys.



Im Hintergrund rechts erkennt man die ersten Dächer von Untereisesheim, das aber in dieser Schlacht keine Rolle spielte.



In der anderen Richtung liegt Obereisesheim, welches am rechten badischen Flügel lag.



Über dieses Gebiet mit einer langgezogenen flachen Mulde fanden die Reitergefechte am Nachmittag statt.



Blick zurück zum Dornet-Wald wo die katholische Infanterie stand.



In Obereisesheim gab es eine markgräfliche Besatzung, die sich gegen 8 Uhr abends ergab. Die Bewohner waren schon vor der Schlacht geflohen. 



Die Kirche von Obereisesheim.



Der Rückweg über das Schlachtfeld in Richtung dem Ort wo die Wagenburg gestanden haben soll.
Hier sieht man nochmal die Mulde in und um der die Kavalleriekämpfe stattfanden.



Blick über die katholische Schlachtfeldhälfte in Richtung Dornet-Wald.



 Blick über die Mitte des Schlachtfeldes in Richtung Biberach (Westen).




Vor den Gewerbehallen am Horizont befindet sich das Tal des Böllinger Baches, über den der badische Rückzug führte. Die Senke ist allerdings breit genug, dass man die darin befindliche Landstraße, das Bachbett und sogar die Autobahn (A6) vor hier aus gar nicht sieht.



Auf Biberacher Gemarkung finden sich einige Hinweistafeln zur Schlacht.



In diesem Bereich befand sich die Wagenburg des Markgrafen. Blick in nördliche Richtung, wo auf der gegenüberliegenden Höhe Tillys Infanterie stand.



Über die Konstruktion der sogenannten Kriegs- oder Spießwagen habe ich keine gute Informationen gefunden. Hier sind diese als eine Art fahrbare "Spanische Reiter" dargestellt.



Blick Richtung Osten. Links auf dem Hügelkamm standen die badischen Geschütze und Wägen. Rechts senkt sich das Gelände zur Landstraße und im weiteren Verlauf zum Böllinger Bach.

Man kann sich hier auch gut vorstellen, dass die Verlagerung der badischen Reiterei von der linken auf die rechte Flanke vollkommen durch den Hügelkamm (am linken Bildrand) vor den Blicken und Feuereinwirkung der Katholiken verborgen war.



Hier sieht man die Senke zum Böllinger Bach und links in der Ferne einige LKW auf der Autobahn. Es muss also schon ein ganzes Stück Fluchtweg für die Truppen des Markgrafen gewesen sein. 



Von Biberach steigt die alte Straße Biberach-Obereisesheim an. Auf der Höhe befand sich die Wagenburg. Hier auf der linken Flanke befanden sich bei Schlachtbeginn einige protestantische Reitereinheiten, die im Laufe des Tages größtenteils auf die rechte Flanke verlagert wurden, um dort die Entscheidung zu suchen.



Bis zum Abend war die Schlacht nicht entschieden und es wies alles auf ein ergebnisloses Treffen hin.

Da geschah das große Unglück, dass mehrere Pulverwagen des Markgrafen mit einer gewaltigen Explosion  in die Luft flogen. Die Gründe sind unbekannt: es könnte Funkenflug, eine grobe Nachlässigkeit der Badener im Umgang mit Feuer und Schwarzpulver oder ein Glückstreffer der bayrischen Artillerie gewesen sein. Jedenfalls gab es dadurch viele Tote und Verletzte und die Moral der Markgräflichen war gebrochen. Außerdem fehlte es nun an Pulver für die Kanonen und Musketen um weiterschießen zu können.



Als dann die Spanier und Ligatruppen erneut anrückten, gab es kein Halten mehr und immer mehr Einheiten wandten sich zur Flucht auf ihrem verhängnisvollen Weg zum Böllinger Bach.



Damit war ich wieder beim Ausgangpunkt meiner Schlachtfeldbegehung angekommen und es war Zeit heimzufahren.

Obwohl es ein sehr heißer Tag war und damit der Rundgang entsprechend anstrengend, ist es doch auch schön, dass das Schlachtfeld gänzlich unbebaut ist und selbst die Wälder, die in der Schlacht eine Rolle spielten, im wesentlichen noch vorhanden sind. Damit konnte man sich gut im Gelände orientieren und bekam einen Eindruck über die räumliche Ausdehnung des Schlachtfeldes. 

Die nächsten beiden Artikel befassen sich dann mit dem Nachspielen der Schlacht als Miniaturenwargame.

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