Im Rahmen unseres Urlaubs in Irland 2026 nahm ich mir am 19.07.2026 einem Sonntagnachmittag Zeit, um das Schlachtfeld von Aughrim zu besichtigen.
Es handelt sich um die blutigste Schlacht des Jakobitenkrieges in Irland und war die Vorentscheidung für das endgültige Scheitern der Kriegsbemühungen des Stuart-Königs James II. in Irland.
Dieser hatte bereits im Vorjahr nach der verlorenen Schlacht am Fluss Boyne ("Battle of the Boyne") das Land verlassen und war ins französische Exil zurück geflüchtet, um nie wieder einen Fuß auf irischen Boden zu setzen. Er bekam dafür von den Iren den Schmähnamen "Seamus á chaca" (frei übersetzt: der beschissene James :-))
Bevor die Familie in einem Ferienbauernhof in der Nähe beschäftigt war, setzten sie mich im verschlafenen Örtchen Aughrim im County Galway ab.
In der Schlacht 1691 hatten die irischen Jakobiten französische Verstärkungen und sich hinter einem sumpfigen Gebiet auf ansteigendem Gelände zur Verteidigung aufgestellt (auf der Karte links, in blau).
Der Befehlsstand des französischen Generals St.Ruhe befand sich zentral links auf dem Killcommodan Hill (dunkle Fahne).
Die Williamiten, Truppen des niederländisch-englischen Königs William III. von Oranien, marschierten von Osten heran (auf der Karte rechts, in rot). Der niederländische Oberkommandierender General de Ginkel bezog Posten auf dem Urraghry Hill im Osten (rote Fahne).
Als erstes schaute ich mir das Visitor Center an.
Ich war, bis auf den Museumswärter, ganz allein im Museum, was mir die Möglichkeit gab, mich mit ihm etwas zu unterhalten und ein paar sinnvolle Literaturtipps zu holen.
Ein gut bestückter Museumsshop war leider nicht vorhanden.
Das Museum ist liebevoll gestaltet. So wurden z.B. die Kostüme von einer ortsansässigen Schneiderin originalgetreu nachgenäht.
Figurine des frz. Marquis St. Ruhe und einer Mistress.
Die für ein Museum obligatorischen Hinweistafeln informieren über den historischen Hintergrund und Verlauf.
Auf einem maßstabgetreuen Modell wurden die Positionen der einzelnen Kommandeure und Regimenter gezeigt. Aber schade, dass hierfür keine Miniaturen verwendet wurden.
In dieser Schlacht waren auf beiden Seiten Rotröcke vertreten, da die Engländer natürlich einerseits so gekleidet waren, aber auch die royalistischen irischen Regimenter. Wobei royalistisch hier bedeutet, dass sie zu "ihrem" König James II. hielten.
Schöne Repliken und Schlachtfeldfunde.
Graf de Ginkel, der niederländische Befehlshaber der Williamiten, war ein erfahrener aber auch fast übervorsichtiger General.
Auch die Fahnen machen was her, hätten aber für meinen Geschmack noch etwas abgetragener aussehen können.
Das Schlachtfeldmodell war detailliert, aber die Papieraufsteller ein wenig zu lieblos.
Parallel gab es eine stimmungsvolle Filmvorführung, die die Schlachtgeschehnisse zusammenfasste.
Auch in diesem Konflikt gab es noch Bandoliere, da noch nicht alle Armeen auf Patronentaschen umgestellt hatten. Links sogar noch ein Steckbajonett.
Eine tolle Idee im Museumscafé: das Schlachtfeld und (endlich) Zinnfiguren. Es ist wohl so, dass hiermit Kindern und Schulklassen der Schlachtablauf gezeigt und von ihnen nachgespielt werden kann. Was eine hervorragende Einführung ins Hobby !
Alles in allem besteht das Museum aber nur aus einem großen Ausstellungsraum und man hat in ca. einer Stunde alles gesehen. Nach einem letzten Blick auf den Marquis ging es dann in den heißen irischen Sommertag.
Ein halbwegs gut ausgeschilderter Battlefield Walk führt zu den wichtigen Stationen.
Hinweistafeln im Ort. Aughrim mit Castle befindet sich im Nordenwesten, an der linken Flanke der Jakobiten, deren Kampflinie (blau) sich dann nach Süden erstreckt.
Wie man sieht ist Aughrim wirklich nicht sehr groß und war es wohl auch nie.
Auch bei meinem Besuch war das Dorf wie ausgestorben und es begegnete mir so gut wie niemand.
Entweder blieben die Iren wegen der Hitze drinnen oder machten Sonntagsausflüge. Erst später kam ich am örtlichen Pub vorbei, wo soviel Lärm zu hören war, dass ich vermute, dass dort die ganze Dorfgemeinschaft versammelt war ;-)
Manche Schilder sind versteckt und leicht zu übersehen.
Eine der beiden Kirchen Aughrims, allerdings beide deutlich nach dem 17.Jahrhundert errichtet.
Im Aughrim Castle an der linken Flanke der Jakobiten waren etwa 200 Musketenschützen postiert, die hier einen gegnerischen Vormarsch verhindern bzw. mit Flankenfeuer bestreichen sollten.
Das Hochkreuz weist auf den Standort der Burg hin ...
... von der nur noch ein Mauerrest erhalten ist.
Links im Hintergrund die Kirchturmspitze der zweiten Kirche.
Allerdings war schon zum Zeitpunkt der Schlacht die Burg eine verfallene Ruine und keine schwer einzunehmende Befestigung.
Hinzu kam, dass den irischen Verteidigern während dem Kampf die Kugeln ausgingen und ihr Beschuss nachließ. Eine Erklärung hierzu ist, dass sie englische (größere) Kugeln empfangen hatten, aber französische Musketen mit kleinerem Kaliber führten und die dann nicht mehr laden konnten.
Die weit stärkere Verteidigung lag darin, dass es hier damals sehr sumpfig war und nur ein schmaler Damm über das unwegsame Gelände führte, auf dem wohl maximal zwei Reiter nebeneinander reiten konnten. Daher rechneten die Jakobiten hier nicht mit einem starken Angriff.
Die Straße folgt der Linie des ursprünglichen Dammes. Rechts der Mauerrest der Burg.
Zunächst wagten die Williamiten hier dann auch tatsächlich keinen Angriff und es gab nur etwas Geplänkel.
Später in der Schlacht, wohl nachdem der Beschuss aus der Burg schwächer wurde, erfolgte hier dann doch ein energischer schottisch-englischer Reiterangriff. Dieser traf die irische Reiterei ziemlich unvorbereitet, so dass sie sich bald unrühmlich zurückzog, ohne sich ernsthaft zu wehren.
Später entstand deshalb dann auch der Vorwurf von Feigheit und sogar Verrat.
Durch Aughrim geht es dann nach Süden, immer der Landstraße folgend, die am Fuß des Killcommadan Hill die irische Hauptlinie darstellte.
Nachdem sich die Iren den ganzen Tag wacker geschlagen hatten, erfolgte der beschriebene Reiterangriff am Aughrim Castle. Um dort die Verteidigung zur organisieren, machte sich St. Ruhe auf den Weg dorthin, als ihn plötzlich eine englische Kanonenkugel enthauptete !
.
Blick in Richtung Killcommadan Hill, auf dem St. Ruhe so unerwartet starb.
Es ist unklar, ob es ein Glückstreffer oder überlegenes artilleristisches Können war, änderte aber nichts daran, dass die Jakobiten urplötzlich ohne ihren Oberbefehlshaber da standen.
Da der unbedachte Franzose keine Vorsorge für diesen Fall getroffen hatte, gab es Chaos in der jakobitischen Heerführung. Es war nicht geregelt, wer der nächste in der Befehlskette war.
Blick in die andere Richtung nach Osten, im Hintergrund der Urraghry Hill...
... von wo Godert de Ginkel die Schlacht souverän lenkte.
In der Mitte bei der Baumlinie befindet sich heute nur noch ein Graben.
Dieser ganze Bereich war zum Zeitpunkt der Schlacht unwegsames nasses Sumpfland. Trotzdem erfolgte hier der Hauptangriff der williamitischen Infanterie.
Die Angreifer kämpften sich teilweise durch hüfthohes Wasser und Morast und waren leichte Ziele für die trocken und erhöht stehende irische Linieninfanterie.
Das Gebiet wurde später als
Bloody Hollow bezeichnet, weil hier der englische Angriff verlustreich zum Erliegen kam. Beim anschließenden taktischen Rückzug wurde versäumt, den verbündeten französischen Hugenotten-Regimentern Befehl zu geben, so dass diese einen besonders hohen Blutzoll zahlen mussten.
Im Süden wird das Schlachtfeld durch den Tristaun-Bach begrenzt.
Hier führt er zur Sommerszeit und wahrscheinlich auch teilweise entwässert und trockengelegt nur wenig Wasser. In der Schlacht deckte er aber die gesamte rechte Flanke der Jakobiten.
Die Attibrassil Bridge (rechts) führt hier über den Bach und wurde früh in der Schlacht probeweise von Reiterei der Williamiten angegriffen. Hier war aber irische Infanterie und die beste irische Kavallerie unter Patrick Sarsfield positioniert, die jeden Angriff abschlug.
Ich hatte hiermit den südlichsten Punkt der Schlachtlinie erreicht und warf nur noch einen schnellen Blick in Richtung der Anmarschroute der Williamiten.
Blick über die Attibrassil Bridge nach Norden. Beide Seiten verstärkten im Laufe der Schlacht ihre Truppen am Bach und der Brücke, aber erst zum Ende hin, als sich die Jakobiten im Norden schon zurückzogen, gaben auch hier die Verteidiger langsam ihre Stellungen auf.
Nach Südosten steigt das Gelände langsam an und hier hatten die Englischen in einiger Entfernung ein paar Geschütze positioniert (vielleicht auf der Kuppe hinten links ?), die den Angriff auf die Brücke unterstützen sollten.
Erneut Blick nach Osten, die bewaldete Hügellinie am Horizont ist der Urraghry Hill von Graf Ginkel.
Hinter der Bodenwelle rechts konnte der Anmarsch der Williamiten auf die Brücke halbwegs gedeckt erfolgen.
Erhöhte (Artillerie-) Positionen der Williamiten.
Blick nach Westen mit dem langgezogenen Killcommadan Hill.
Es ist auch oft von der Killcommadan Church zu lesen, die auf dem Hügel gestanden haben soll.
Sie wurde aber in den folgenden Jahrhunderten vollständig abgetragen.
Am Ende des Rückweges kam dann auch wieder eine der Kirchen von Aughrim in Sicht.
So endete meine Schlachtfeldbegehung. Ich bin sehr beeindruckt, wie ursprünglich, weitgehend unbebaut und auch gut beschildert das historische Schlachtfeld ist. Allerdings ist durch den Hohlweg und den vollen Wildwuchs im Hochsommer auch oft die Sicht versperrt. Von einem Pferderücken aus, wie die historischen Zeitgenossen, hatte man bestimmt einen besseren Ausblick.
Rechts und links der Straße ist umzäuntes Weideland, das ich nicht unerlaubt betreten wollte und so fand ich jetzt keinen Spot, an dem sich das gesamte Schlachtfeld überblicken ließ.
Andererseits hatte ich genug Ruhe (ich glaube in den ganzen 2 Stunden fuhren höchstens drei Autos auf der Landstraße an mir vorbei) um mir alles anzuschauen und auch die Dimension des Schlachtfeldes ist nicht so riesig. Daher konnte man dann doch einen ganz guten Gesamteindruck bekommen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen