Die Schlacht am Boyne, Irland 1.Juli 1690
Das zweite Schlachtfeld, das ich während unseres Urlaubes in Irland 2026 besichtigen konnte, war das der berühmten Schlacht am Boyne.
Heutzutage ist die Schlacht noch präsent, da es immer am Jahrestag in (London)Derry und anderswo in Nordirland Festumzüge des britischen "Orange-Orders" gibt, die oft genug zu Gegendemonstrationen und Krawallen mit irischen Nationalisten führen.
Wie üblich gehe ich hier nicht genauer auf den historischen Kontext ein, da der leicht im Internet nachgelesen werden kann.
Quelle:
https://warfarehistorynetwork.com/article/blunder-at-the-battle-of-the-boyne/Ich hatte die Schlacht bereits 2023 mal solo nachgespielt (Battle of the Boyne FoGR) und war gespannt auf die tatsächlichen Eindrücke vor Ort.
Genau eine Woche nachdem ich in Aughrim war (
Schlachtfeld von Aughrim), fuhr ich am 26.07.2026 nach Oldbridge.
Bei einem alten Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert befindet sich das Visitor Center.
Als erstes kommt man in den Kanonenhof, in dem viele Geschütze aus der Zeit ausgestellt sind.
In der Scheune hinten links findet eine hochwertig und sehr gut gemachte Filmvorführung über die Schlacht statt.
Bemerkenswert für diese Schlacht ist, dass beide Könige, William III. und James II. persönlich anwesend waren und ihre Armeen befehligten.
Wie schon in Aughrim, werden auch hier die beteiligten Kommandanten mit lebensgroßen Figuren dargestellt.
King William III. of Orange am Tisch, daneben der (sogar in der Kurpfalz geborene) alte deutsche Graf Friedrich von Schomberg.
Auf der anderen Seite King James II. aus dem Hause Stuart.
Im Stab King Williams gab es verschiedene Vorschläge, wie die Schlacht zu führen wäre: entweder ein Frontalangriff über den Fluss oder einen Flankenangriff über eine weiter flussaufwärts liegende Furt bei Rosnaree. Letztendlich entschied man sich zu einer Mischung aus beidem, wobei der Hauptangriff hier erfolgen sollte.
Immerhin veranlasste der (schwächere) Flankenangriff, dass James II. eine beträchtliche Zahl seiner Truppen an die weit entfernte Flanke schickte. Diese Truppen fehlten ihm dann im Hauptgefecht, sodass die Jakobiten deutlich in Unterzahl antreten mussten.
Letztendlich ein gutes Beispiel, wie man sich in eine schlechtere Position begibt, wenn man dem Gegner die Initiative überlässt und sich auf eine vermeintlich gute Defensivstellung verlässt.
Eine sehr genaue, aber nicht sehr authentische Karte des Gebietes um Oldbridge und dem Verlauf des Boyne.
Im Kinosaal sitzt ein erschöpfter holländischer Gardist auf ner Kiste.
Englische Grenadiere zu Pferd.
Es gibt Rundwege in unterschiedlichen Längen, sodass für jeden Fitnesslevel was dabei ist.
Ich habe mich für die längste und ausführlichste Route entschieden, die mit 3,6 km aber trotzdem auch gut schaffbar ist.
Am Tag vor der Schlacht kam es beinahe zu einem Schicksalsmoment, als King William mit einigen Stabsoffizieren einen Erkundungsritt macht, um das Schlachtfeld zu inspizieren. Die kleine Offiziersgruppe wurde von einer Batterie der Jakobiten bemerkt, die die Gelegenheit nicht verstreichen ließ und das Feuer eröffnete. Beim Einschlag wurde der König am Oberkörper verletzt, während einer seiner Adjutanten durch die Kanonenkugel getötet wurde.
Nur leicht verletzt konnte der König am folgenden Tag trotzdem die Schlacht leiten.
Interessantes Gestell das animiert in 15mm oder 28mm für Zinnfiguren nachgebaut zu werden.
Das Gelände ist sehr weitläufig, mit typisch britischem Rasen, dem man aber auch die Trockenschäden des ungewöhnlich heißen Sommers ansieht.
Ein erster Blick in Richtung Boyne, der zwischen den Bäumen und Büschen verborgen ist.
Streckenpfosten des Battlefield Walkes
Da Oldbridge nicht mehr exisitiert, wurden symbolisch zwei Hütten am historischen Standort des Dorfes errichtet. Diese boten beim späteren Schauer den Besuchern dann auch willkommenen Regenschutz.
An den wichtigsten Punkten befinden sich gut gemachte Hinweistafeln, die im rechten unteren Eck auf die Uhrzeit am Tag der Schlacht hinweisen, um das Ganze chronologisch einzuordnen.
Hier im Dorf Oldbridge fanden die ersten Kämpfe des Tages statt. Das Dorf war mit irischer Infanterie besetzt, die später noch weitere Verstärkungen erhielt. Die Williamiten, allen voran die
holländischen Blauen Garden, durchwateten den brusthohen Fluss und trafen auf die Verteidiger von Oldbridge.
Der bereits genannte Graf von Schomberg führte persönlich den für den Gesamterfolg kritischen Angriff. Er fiel dabei an dieser Stelle. Es ist nicht ganz klar, ob er von einer Musketenkugel getroffen wurde (vielleicht sogar versehentlich aus den eigenen Reihen) oder in ein Scharmützel mit irischer Reiterei geriet, die zur Verstärkung nach Oldbridge geschickt wurde.
In schweren Kämpfen wurden die irischen Verteidiger letztendlich vertrieben und die Armee Williams konnte den Boyne überwinden.
Hier führt der Weg vom Fluss weg (siehe Baumlinie, mit den Dächern von "Oldbridge") in Richtung des höheren Geländes im Süden.
Auf dem ansteigenden Gelände war irische Infanterie und Reiterei postiert, die zur Verstärkung in die Kämpfe bei Oldbrige geschickt wurden.
Auf der gegenüberliegenden Flussseite befindet sich eine Anhöhe (gelbes Feld) auf dem die Artillerie König Williams aufgefahren war.
Blick von der Anhöhe hinunter über das Schlachtfeld bei Oldbridge. Der Boyne befindet sich in der Talsenke, über das gegenüberliegende höhere Gelände erfolgte der Anmarsch der Williamiten.
Die Reiterei der Jakobiten griff über diese Felder in die Kämpfe ein.
Auch auf dem Feld (grüner Streifen) im Hintergrund dürfte englische Artillerie gestanden haben.
Das ansteigende Gelände im Süden war der Bereitstellungsraum für die irischen Reserven.
In der Ferne auf der gegenüberliegenden Flussseite die St.Marys Church von Tullyallen. Die Kirche war King Williams Hauptquartier inmitten seines Heerlagers.
Weiter östlich von Oldbridge befanden sich etwa drei weitere Stellen, an denen die Angreifer den Fluss in langen Kolonnen überquerten. Die irische Kavallerie ritt über diese Felder von ihrem Aufstellungsraum zur Attacke auf die Gegner.
Die Verteidiger von Oldbridge waren mit 8.000 Mann den 24.000 Mann der Angreifer hoffnungslos unterlegen.
King William überquerte persönlich mit 2.000 Reitern weiter flussabwärts bei Drybridge den Boyne und näherte sich über das hügelige Gelände dem Schlachtfeld.
Bei der Flussdurchquerung verlor das Pferd des Königs den Halt und dieser stürzte an das schlammige Ufer, zog sich aber nur Schürfwunden zu. Immerhin hatte dieses vermeintlich schlechte Omen keine unmittelbare Auswirkung. Vielleicht ist das aber auch ein Anzeichen für die beschränkten Reitkünste des Königs, der im Jahre 1702 dann ja auch nach einem fatalen Reitunfall starb.
Auf jeden Fall war mit Eintreffen von King Williams Reiterei auch die rechte Flanke der Jakobiten akut bedroht. Da mittlerweile Oldbridge gefallen war und sich ihre Unterzahl immer deutlicher bemerkbar machte, blieb den Jakobiten somit nur noch Niederlage und Rückzug.
Ein stilechtes Gatter an der Landstraße, die das Schlachtfeld durchquert.
Von der rechten Flanke der Jakobiten ging es dann zurück an die linke Flanke. Hier trifft man zum ersten Mal auf den Boyne.
Wobei es sich hier nicht um den Hauptfluss handelt, sondern nur um einen künstlich abgetrennten Kanal mit Treidelpfad.
Schöne alte Brücke, aber doch erst deutlich nach der Schlacht gebaut.
Alter Bootsschuppen mit Stützmauer, aber auch nicht zeitgenössisch.
Der Fluss Boyne an der alten Brücke bei Oldbridge.
Der Fluss ist tatsächlich gezeitenabhängig, da er bereits in etwa 10 km Entfernung bei Drogheda in die Irische See fließt.
Auch am Tag der Schlacht mussten die Williamiten abwarten, bis der Fluss bei Ebbe soweit Niedrigwasser führte, dass er überhaupt zu Fuß durchquert werden konnte.
Alte Stallungen, nicht aus dem 17.Jahrhundert, aber doch immerhin fast 200 Jahre alt.
Der Obelisk verwies in früheren Zeiten in der Nähe der Boynebrücke auf das Schlachtfeld.
Zurück am Herrenhaus. Das Gelände ist jederzeit zugänglich, was viele Einheimische für ihre Jogging- oder Hunderunde nutzten oder im hiesigen Cafe einkehrten.
Um das Herrenhaus befindet sich noch ein beeindruckender Park mit Apfelplantage ...
... sowie dieses skurile Gebäude.

Da ich noch Zeit hatte, fuhr ich durch "King Williams Glen". Dies ist eine abschüssige Straße durch ein Waldstück, über welche der Aufmarsch der Williamiten erfolgte.
Der nächste Ort war Tullyallen wo sich das Heerlager der Williamiten befand.
In der Kirche bzw. alten Abtei war das Hauptquartier von King William.
Blick vom Kirchhof / Friedhof in Richtung Schlachtfeld im Süden. Über diese Felder marschierte die Armee Williams hinunter zum Boyne.
Am Horizont, bei dem Turm rechts, erkennt man den Donore Hill, auf dem König James II. sein Hauptquartier während der Schlacht bezogen hatte.
Ich hatte nicht erwartet, hier noch auf eine Hinweistafel zu treffen, da Tullyallen doch ca. 5 km vom Schlachtfeld entfernt ist.
Rechts beginnt das Waldstück des King William Glen.
Der Hügel am Horizont in der Nähe der Fabrik ist der Donore Hill. Über diesen erfolgte auch der Rückzug der geschlagenen Jakobiten. Es gab dort noch vereinzelt verlustreiche Gefechte zwischen der irischen Nachhut und den nachrückenden Anglo-Dutch, aber es gelang der Kavallerie der Jakobiten im wesentlichen, die Verfolger in Schach zu halten.
König James aber, hatte gründlich jede Lust verloren, in Irland weiter um seinen Thron zu kämpfen. Er floh schnurstracks bis nach Dublin und schiffte sich bald wieder ins französische Exil ein.
Es gibt die schöne Anekdote, dass er sich bei Lady Tyrconnel darüber beschwerte, dass alle Iren in der Schlacht davon gelaufen seien und die Lady antwortete: "aber Eure Majestät haben das Rennen gewonnen !"
:-)))
Seine Getreuen hieß er weiter zu kämpfen. Es dauerte noch bis ins folgende Jahr und erst nach weiteren verlorenen Schlachten und Belagerungen waren 1691 die Jakobiten in Irland besiegt.
Es war erneut ein hervorragend freies und für Besucher erstklassig erschlossenes Schlachtfeld. Das sehr kleine Museum war demgegenüber etwas enttäuschend, wenn auch der wirklich gut gemachte 15-minütige Film für vieles entschädigt.
Fantastische, sehr detaillierte Bilder. Macht richtig Spaß anzuschauen. Immer weiter so!
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